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12.06.2018: Laut DVI-Studie hat Deutschland wenig Ahnung in Sachen Verpackung

12.06.2018 11:44:55
Laut einer aktuellen, repräsentativen Umfrage des Deutschen Verpackungsinstituts DVI traut sich die Mehrheit der Deutschen keine objektive Beurteilung von Verpackungen zu und beklagt Informationsdefizite. Gemäss der repräsentativen Umfrage, durchgeführt von TNS-Infratest, interessieren sich 92,2 Prozent der Bundesbürger für das Thema Verpackung. Eine absolute Mehrheit von 57,3 Prozent fühlt sich allerdings persönlich gar nicht oder nicht ausreichend informiert, um wichtige Aspekte einer Verpackung objektiv beurteilen zu können. Mehr und bessere Informationen erwartet diese Gruppe insbesondere vom Handel (23,5 Prozent), von Verpackungsherstellern (22,6 Prozent) und Produktherstellern (21,7 Prozent). Das DVI hat dazu jüngst Handlungsempfehlungen veröffentlicht.

Gravierende Fehleinschätzungen

Thomas Reiner, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Verpackungsinstituts in Berlin, kommentiert: „Es kommt sehr häufig zu teils gravierenden Fehleinschätzungen und Fehlhandlungen in Bezug auf Verpackungen. Das liegt hauptsächlich daran, dass die Bürger nicht ausreichend über wichtige Aspekte einer Verpackung wie beispielsweise Funktion, Ökobilanz und Recyclingfähigkeit informiert sind. Dass sie dieses Informationsdefizit erkennen, ist nicht selbstverständlich und sollte für die beteiligten Kreise ein Auftrag sein. Der Bürger hat ein Recht auf verlässliche Informationen, um selber richtige Entscheidungen beim Einsatz von Verpackungen treffen zu können. Dafür brauchen die Konsumenten mehr Transparenz und bessere Informationen.“

Handlungsempfehlungen für Produkthersteller
  • Verpackung ist Teil des Produkts: Produkthersteller und Markenartikler müssen Verpackung als das verstehen, was sie ist: Ein Teil des Produkts. In dem Maße, wie sie über das Produkt informieren, müssen sie auch über seine Verpackung informieren.
  • Bessere Information zur Verpackung: Während jedes Produkt ausführlich über Herkunft, Zusammensetzung, Inhaltsstoffe, Kalorien, Nährwerte oder Allergene informiert und in vielen Fällen auch Anleitungen zum richtigen Handling und der richtigen Entsorgung gibt, bleibt die Verpackung eine Informationswüste. Hier braucht es im gleichen Maß transparente Informationen.
  • Mehr Transparenz beim Materialeinsatz: Eine Verpackung muss ehrlich und kritisch Auskunft geben über ihren Zweck, ihre Ökobilanz, verwendete Materialien und ihre Fähigkeit zum Recycling inklusive einer klaren Handlungsanweisung.
Handlungsempfehlung für Verpackungshersteller
  • Informationen für alle besser zugänglich machen: Verpackungshersteller müssen ihrer gestiegenen Bedeutung und Verantwortung gerecht werden. Fakten sollten sie darum objektiv aufarbeiten und zugänglich machen. Es gilt, über die eigenen Produkte ehrlich und objektiv zu informieren, und zwar nicht nur die eigenen Kunden, sondern auch die breite Öffentlichkeit. Die Unternehmen der Verpackungsbranche erwirtschaften mit rund 500.000 Beschäftigten in Deutschland und Österreich eine Gesamtleistung von über 50 Mrd. Euro. Wir können auf zahlreiche Weltmarktführer blicken. Die Branche ist hochinnovativ und leistungsstark. Es gibt also keinen Grund, sich zu verstecken.
  • Globale Verpackungsverantwortung ernst nehmen: Es gibt keine Alternative dazu, sich der Verantwortung, auch im globalen Rahmen, zu stellen. Wer auf dem Weltmarkt agiert, muss auch marktgerecht und verantwortlich über Verpackungen informieren.
Handlungsempfehlung für den Handel
  • Den direkten Draht zum Verbraucher besser nutzen: Der Handel besitzt einen sehr direkten Zugang zum Konsumenten. Diesen muss er stärker nutzen und eine aufklärende Rolle übernehmen – verbunden mit konkreten Lösungen. Die haushaltsnahe Sammlung gebrauchter Verpackungen über den gelben Sack hat den Nachteil, dass erst wieder mühsam sortiert werden muss, was vorher zusammengeworfen wurde.
  • Innovative Recycling-Lösungen selber vorantreiben – am Beispiel PET: Eine unmittelbare Rücknahme durch den Handel, wie wir es am Beispiel von PET-Flaschen sehen, führt zu einer ungleich höheren Sortenreinheit der eingesammelten Verpackungen. Das Recycling kann dann sehr viel einfacher, effizienter und nachhaltiger erfolgen. Auch wenn das nicht für jede Art von Verpackung machbar ist, so bieten sich doch genügend Möglichkeiten, beispielsweise im Bereich von Trays, Schalen und Bechern aus Kunststoff.
„Wenn Verpackungen in der Regel falsch beurteilt und diskriminiert werden, liegt das nicht zuletzt an unseren eigenen Versäumnissen. Daraus müssen alle Marktteilnehmer lernen. Denn nur aufgeklärte Verbraucher können richtig mit der Verpackung umgehen, Kreisläufe schließen und Entscheidungen bewusst treffen“, schließt Vorstandsvorsitzender Reiner.

Weitere Informationen gibt es auf der Webseite des DVI:
https://www.verpackung.org/

(Quelle: Deutsches Verpackungsinstitut DVI)